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Herbsttagung der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung

Vom 10. - 13. November 2021 findet die Herbsttagung in Bad Homburg statt. Sie steht unter dem Motto: "Omnipotenzphantasien und Moderne"

Leben wir in einem Zeitalter der Omnipotenz? Angesichts der Zunahme an Möglichkeiten, den eigenen Körper zu modifizieren und zu konstruieren, wie auch der rasanten Steigerung neuer Technologien in der Herrschaft über menschliches Leben und die Natur könnte man es meinen. Der Einfluss und die Nutzung von Digitalisierung scheint im Alltag omnipräsent. Die transformative Kraft der Digitalisierung findet sich zum Beispiel in der Möglichkeit sozialer Vernetzung, die auch eine „Allmacht des Netzes“ ist, über die der Mensch die Kontrolle zu verlieren beginnt.

Freuds Aussage aus „Das Unbehagen in der Kultur“ (1930) liest sich fast wie eine prophetische : „Der Mensch ist sozusagen eine Art Prothesengott geworden, recht großartig, wenn er alle seine Hilfsorgane anlegt, aber sie sind nicht mit ihm verwachsen und machen ihm gelegentlich noch viel zu schaffen“.

Kann die Psychoanalyse dazu beitragen, unbewusste Motive allgegenwärtiger  Optimierungswünsche und Enhancement-Dynamiken aufzuklären?

Dieser Diskussion widmet sich die Tagung entlang unterschiedlicher Formate: Vorträge, Foren und Arbeitsgruppen.

Phantasien der Allmacht und Unsterblichkeit stehen dem Erleben von Mangel, Versehrtheit und Verlust von Anbeginn des psychischen Lebens an zur Verfügung. Die schrittweise Ablösung des Lust- durch das Realitätsprinzip ist nach Freud die Hauptaufgabe psychischer Entwicklung. Solange der Wunsch zu einer Imagination des Objektes führt, ohne sich um dessen Vorhandensein in der Realität zu kümmern, produziert er Phantasie. Winnicott (1971) bewertete mit seiner Konzeption des Übergangsraumes das Illusionäre der Phantasie deutlich positiv. Er sah in dem Zwischenraum die Voraussetzung dafür, mit den Versagungen des Lebens zurecht zu kommen und daraus allmählich die Fähigkeit eines Realitätsprinzips entwickeln zu können. Als Bedingung für die Einsetzung der Realitätsprüfung gilt, dass Objekte verloren gegangen sind, die einst reale Befriedigung gebracht haben. Es ist die allmählich voranschreitende, notwendige Verinnerlichung der „facts of life“: die Entwicklung vom subjektiv zum objektiv wahrgenommenen Objekt. Brauchbar und verwendbar wird ein Objekt dann, wenn das Individuum anerkennt, dass es nicht seiner eigenen Omnipotenz unterliegt, sondern „real“ ist. 

Das vollständige Programm der Tagung kann hier heruntergeladen werden.

Ort: Hotel Maritim, Bad Homburg, Ludwigstraße 3

Datum: 10.-13. November 2021

Teilnahmegebühren: für Studierende im Erststudium 30 €,  Kandidat*innen in DPV-Ausbildung: 100 €, Mitglieder 300 €, Gäste 320 €

Anmeldung: online auf der Website der DPV